Geschichte

Gemeinde Cossmannsdorf
Ballsäle Cossmannsdorf historische Ansicht
Fassadenschmuck Spinnerin von Potschappler Kunstschmied Richard Rothenberger

Das Rathaus Cossmannsdorf

Cossmannsdorf entwickelte sich mit Gründung der Kammgarnspinnerei Dietl & Schmitt und infrastruktureller Anbindung an die ins osterzgebirgische Kipsdorf verkehrende Schmalspurbahn, um 1890 zu einer wirtschaftlich respektablen, dicht besiedelten Landgemeinde. Die tallagige Textilarbeitergemeinde schied infolgedessen 1907 als selbständige Kommune aus dem bis dahin bestehenden gemeindlichen Verbund mit dem landwirtschaftlich geprägten und auf der Höhe gelegenen Dorf Somsdorf aus.

Seiner wirtschaftlichen Entwicklung sowie der durch die Eingemeindung von Eckersdorf gewachsenen kommunalpolitischen Bedeutung entsprechend, weihteCossmannsdorf 1913 einen repräsentativen Rathausneubau ein. Dieses vom Dresdner Architekten Bohlig entworfene Amtsgebäude beherbergte neben den Verwaltungsräumen auch das Postamt sowie ein separat angegliedertes Obdachlosenheim, eine Schlachtfreibank und eine Arrestzelle.

Regionale Kunsthandwerker wie der Potschappler Kunstschmied Richard Rothenberger gaben dem Rathaus seinen charakteristischen Fassadenschmuck, wobei vor allem die Spinnerin mit ihrem Spinnrocken als Symbol des örtlichen Hauptindustriezweiges beeindruckt. Weitere bauplastische Elemente wie die Sonnenuhr oder die Eule als Sinnbild der Weisheit schmücken das Amtsgebäude, in welchem zudem Wohnungen untergebracht waren und welches nach der 1964 erfolgten Eingemeindung von Hainsberg nach Freital als dessen Stadtbauamt genutzt wurde.

Nach denkmalgerechter Sanierung etablierten sich seit 1999 die Verwaltungen der städtischen Gesellschaften unter der Bezeichnung „Haus der Stadtbetriebe“ im Hainsberger Rathaus.

Ballsäle Cossmannsdorf historische Ansicht
Ballsäle Cossmannsdorf historische Ansicht

Die Ballsäle Cossmannsdorf

Am 1883 eröffneten Haltepunkt Cossmannsdorf der zwischen (Freital-) Hainsberg und Kipsdorf verkehrenden Schmalspurbahn, entstand 1890 für den Arbeiter- und Ausflugsverkehr das Bahnhofsrestaurant Cossmannsdorf. Dessen Schankkonzession übertrug Gastwirt Max Bruno Wetzlich 1911 auf seine neugebauten „Ballsäle Cossmannsdorf“. Der Landgasthof galt fortan als beliebte Wandereinkehr und gut besuchter Veranstaltungsort mit eigener Hauskapelle für Tanz- und Ballveranstaltungen. Es gab eine Kegelbahn, Fremdenzimmer, Festsäle für 750 bzw. 120 Personen und einen baumbestandenen Konzert- und Biergarten.

In den 1940ziger Jahren wechselnd für die Genesenen-Kompagnie der Wehrmacht, Kriegsgefangene sowie für Umsiedler genutzt, kehrte nach 1947 wieder gastronomische Normalität ein.

Der bis 1955 privat, dann unter staatlicher Geschäftsleitung bewirtschaftete Gasthof entwickelte sich zum überregional bekannten Veranstaltungsort für aufstrebende Bands, exzellente Tanzwettbewerbe, kabarettistische Programme und Faschingsveranstaltungen. Die, der deutsch-deutschen Wiedervereinigung folgenden, wirtschaftlichen Verwerfungen führten auch für das BC nach kurzem erfolgversprechendem Neubeginn, 1993 zur Betriebseinstellung. Leerstand und die verheerende Weißeritzflut 2002 setzten dem Gebäude schwer zu. Der unter bürgerschaftlichem Engagement gegründete Verein zum Erhalt der Ballsäle Cossmannsdorf e.V. kämpft seither für Erhalt und Ausbau des kulturhistorisch bedeutenden Veranstaltungsortes, welchen die Große Kreisstadt Freital 2018 erwarb, um ihn als Kulturzentrum wiederzubeleben.